© Lippische Landes-Zeitung, Donnerstag 01. Dezember 2011
Detmold. Eine Geschichtsstunde der besonderen Art haben die zehnten Klassen der Geschwister-Scholl- und der Heinrich-Drake-Realschule erlebt. Jakob Odinius las aus der Autobiographie seines jüdischen Freundes und Holocaust-Überlebenden Solly Ganor (85).

Las aus Solly Ganors Autobiographie: Jakob Odinius mit Zehntklässlern der Geschwister-Scholl-Schule. Foto: HORSTBRINK
Der Vortrag fand im Rahmen der Bildungsinitiative „Das andere Leben“ statt. Odinius begann mit dem „Ende“ – der Befreiung der jüdischen Häftlinge. Dazu zeigte er einen Ausschnitt eines Steven-Spielberg-Films, in dem amerikanische Soldaten erstmals ein Konzentrationslager betreten und dort die übrigen Überlebenden vorfinden.
Solly Ganor wurde im Sommer 1941 im Alter von 13 Jahren von deutschen Truppen aus seiner Heimatstadt Kaunas (Litauen) in ein Ghetto getrieben, wo er die selektierende Vernichtung durch die Nationalsozialisten innerhalb seines engen Familien- und Freundeskreises erlebte. Nachdem das Ghetto 1944 aufgelöst wurde, wurde Ganor gemeinsam mit dessen Vater in ein Außenlager des KZ Dachau deportiert. Beide überlebten den anschließenden Todesmarsch in Richtung Alpen und wurden im Mai 1945 schließlich von Alliierten befreit.
Der spätere Kontakt zu jenen amerikanischen Soldaten habe Solly Ganor letztlich dazu bewogen, seine Lebensgeschichte zu verschriftlichen, erzählt Odinius. Seine Lesung schließt er mit einer Aussage im Epilog: Man müsse heute nicht die Schuld für das übernehmen, was damals geschah, wohl aber die Verantwortung. Nur wer die Geschichte des Holocausts heute ignoriere, mache sich schuldig.
Ein Augenblick nachdenklicher Stille folgte. Dann spendeten die Schüler der Scholl- und der Drake-Schule ausgiebig Applaus. (dh)
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Ergänzung zum LZ-Artikel (stand heute in unserem Mitteilungsbuch):
Liebe KollegInnen,
die heutige Vorlesung von Herrn Odinius zum Zeitzeugen Solly Ganor war eine sehr gute Veranstaltung, an der ca. 230 SchülerInnen, 150 davon von unserer Schule, teilnahmen. Herr Odinius zeigte sich ausgesprochen angetan von dem disziplinierten Verhalten unserer SchülerInnen und bat mich, dieses Lob weiterzugeben. Er bezeichnete unsere Schule als „Superschule“.
Allen, die mitgewirkt haben, sei herzlich gedankt.
Ernst Meuß, Didaktischer Leiter der GSS