Bericht von Reinhard Schiffer, Klassenleitung 9f
Politik im Gesellschaftslehreunterricht oder
„… warum fahren wir eigentlich in den Landtag nach Düsseldorf?“
Das fragten sich so manche SchülerInnen der Klasse 9F. War nicht schon das Thema im GL-Unterricht vollkommen unverständlich und extrem langweilig gewesen? Und nun auch noch das.
Doch die Klassenleitung der 9F scheut ja bekanntermaßen diesbezüglich vor fast nichts zurück, und so gab es eine Einladung durch den Detmolder Landtagsabgeordneten Dennis Maelzer nach Düsseldorf.
Nach längerer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichten wir am Mittag die Metropole am… Nein, die Weser ist das nicht. Der Landtag liegt direkt am Rhein. Und rein ging es dann zügig, zunächst durch die Sicherheitsschleuse, gleich in die Garderobe und anschließend in das Herzstück nordrheinwestfälischer Macht, den gerade frisch renovierten Plenarsaal.
Dort, wo sonst nur die gewählten VolksvertreterInnen sitzen, durften wir gemeinsam mit zwei weiteren Klassen ehrfurchtsvoll Platz nehmen.
Ein großer heller Saal, blitzblanke Plenarsaaltische aus edlem Holz, ein sauberer Teppichboden, bequeme makellose Stühle. „Können wir nicht solche Stühle bei uns im Klassenraum haben? Dann würden wir auch viel besser aufpassen!“ Unterrichten könnte so einfach sein…
Nun ging das „Spiel“ aber auch schon los. Zunächst mussten die Regeln erklärt werden. Dies übernahm sehr engagiert und verständlich ein Mitarbeiter des Besucherdienstes. Wer in den nordrheinwestfälischen Landtag gewählt werden möchte, muss volljährig sein, darf vorbestraft sein, muss aber die deutsche Staatsangehörigkeit haben und in NRW gemeldet sein. Man muss keiner Partei angehören, aber bisher hat es noch niemand in den Landtag geschafft, der nicht die Unterstützung einer Partei hatte.
Nachdem die Regierungspräsidentin (in diesem Fall ein Schüler), Frau Hannelore Kraft und die Stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann alias Vanessa Letmade ihre Plätze eingenommen hatten, ging die Plenarsaaldebatte los. Aus den SchülerInnen waren nun plötzlich die Abgeordneten der verschiedenen Parteien geworden: die Piraten, die Sozialdemokraten und die Grünen, die Christdemokraten und die Liberalen.
Auf der Tagesordnung stand ein Gesetzesantrag: „Wahlrecht ab der Geburt“. Auweia, jetzt wurde es ernst. Und so manch einer dachte vielleicht in diesem Moment: „So ein Mist! Hätte ich die Worte meines GL-Lehrers doch ein wenig mehr beherzt und in der Gruppenarbeitsphase im Unterricht konzentrierter mitgearbeitet.“
Mit schwerem Schritt, weichen Knien und viel Adrenalin im Blut ging es nun an das Rednerpult, wo bereits das Mikrofon wartete. Dort durften die Abgeordneten Lisa Krenzer, Juliana Tide, Maike Kohlmann und Peter Mildenberger die Reden ihrer jeweiligen Fraktionen vortragen: pro oder contra zum Gesetzentwurf. Und das haben diese Abgeordneten auch jeweils richtig gut gemacht.
Lediglich der Fraktionsvorsitzende der FPD, der Herr Lindner alias David Wilkening, erlebte mit dieser Debatte einen rabenschwarzen Tag. Wenn man auch die Schrift seiner Fraktionskollegen nicht lesen kann…
Nach dieser „ersten Lesung“ des Gesetzentwurfes wurde schließlich mit großer Mehrheit darüber abgestimmt, den Entwurf in den dafür verantwortlichen Ausschuss zu überstellen.
Damit war die Plenarsaaldebatte beendet und Herr Maelzer, ein echter Abgeordneter, nahm uns in Empfang. In einer lockeren Runde im Fraktionssaal der Grünen erzählte er uns, wie und warum er Politiker und Abgeordneter der SPD geworden sei und beantwortete anschließend noch eine Reihe weiterer Fragen.
Ein Kaffeetrinken im Landtag, die Besichtigung des Fernsehturms und die Erkundung der Einkaufsmöglichkeiten rundeten den Besuch in der Landeshauptstadt ab.
Nach erneuter längerer Fahrt mit dem öffentlichen Personennahverkehr und der fahrplanmäßigen Ankunft in Detmold auf Gleis 1 endete ein langer, ungewöhnlicher Schultag für viele mit der Erkenntnis: „Das im Parlament, das hat mir richtig gut gefallen…“
P.S. „Sagen Sie Ihrer Klasse ein großes Lob von meiner Seite. Die Gruppe hat sehr konzentriert und motiviert mitgearbeitet. Das ist bei unseren Besuchergruppen nicht selbstverständlich“, sprach der Herr vom Besucherdienst leise und verabschiedete sich ganz herzlich von Frau Floßdorf und mir. Geht doch.
Reinhard Schiffer

