Der Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und Fritz Hartnagel – Eine Lesung mit Grit Asperger und Martin Pfaff in unserer Aula

Hans und Sophie Scholl – die Widerstandskämpfer im 3. Reich, Mitglieder der „Weißen Rose“, ermordet von den Nazis am 22.3.1943 – sind die Namensgeber der Schule. Sie trägt den Titel Schule ohne Rassismus Schule mit Courage. Im Rahmen dieses durch den Titel gegeben Programms veranstaltet die Schülervertretung immer wieder Aktionen, die auf das Schicksal dieser beiden Geschwister, aber auch auf die aktuelle Auseinandersetzung mit Rassismus eingehen.

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So waren zum 27.1.17, dem Holocaust-Gedenktag, die Schauspielerin Grit Asperger und der Schauspieldirektor des Landestheaters Detmold, Herr Martin Pfaff, zu Gast an der Schule, um aus dem bewegenden Briefwechsel der Sophie Scholl und ihrem Freund, Fritz Hartnagel, vorzulesen. Sie schlugen mit ihrer Lesung einen Bogen von der ersten Verliebtheit der beiden bis hin zu dem bitteren Ende, der grausamen Ermordung der Sophie durch die Nazis. Hier erlebt man die „andere“ Sophie, die private, die verliebte Sophie, die schwärmerisch von gemeinsamen Erlebnissen mit ihrem Fritz erzählt, vom Skifahren, vom Draußensein in der Natur.

Aber dennoch: Immer bleibt auch eine gewisse Distanz zu spüren, sich nicht ganz in einem einzigen Menschen verlieren zu wollen, denn „Gefühle können ja so sehr täuschen“. Sie will klar denken können, den Blick für andere bewahren und nicht im Taumel der Gefühle untergehen. Sie zweifelt an der Richtigkeit ihrer Liebe, als sie ihren Fritz längere Zeit nicht sehen kann, weil dieser als Soldat in Paris ist, findet aber nach einem längeren Treffen im Winter wieder ganz zu ihm zurück.

IMG_0758Sie brandmarkt zunehmend die Brutalität des Krieges, stellt völlig den Sinn vom „Heldentod“ des Einzelnen für eine Nation infrage und wendet sich innerlich immer weiter von der faschistischen Doktrin ab. Grit Asperger verkörpert meistens mit leiser, aber sehr deutlicher, wo nötig mit fester Stimme diese mit sich ringende junge Frau, die sich in ihrer Liebe häutet zu der Widerstandskämpferin, die sie wurde, und lässt sie für das Publikum eindrucksvoll zum Leben erwachen.

Auch Fritz, gesprochen von Martin Pfaff, verändert sich ebenfalls: vom abenteuerlustigen Soldaten, der sich freut, endlich in den Krieg ziehen zu können, hin zum verzweifelten, von den sinnlosen Blutströmen angewiderten Offizier. Seine Ernennung in Stalingrad zum Hauptmann erscheint ihm als schlimme Bürde, die ihn zwingt, Repräsentant eines menschenverachtenden Systems zu sein. Martin Pfaff schlüpft authentisch in die Rolle dieses Mannes, mal fröhlich, mal fragend, nachdenklich, mal wütend und aufgebracht.
Im gekonnten Wechselspiel der beiden Vortragenden, bisweilen wird der Briefwechsel zum Dialog, werden die ganze Privatheit dieser Beziehung, die Freude, die Hoffnung, die Fragen und Verzweiflungen verstehbar und berührend nahe in die Gegenwart geholt.

 

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