Etwas Persönliches aus dem Leben eines Lehrers
Ein Bericht von Reinhard Schiffer
„… und wenn ich dann eines Tages gestorben bin und an die Himmelstür klopfe, dann wird mich Petrus fragen: Und was hast du getan, dass du in den Himmel willst? – Ich? Ich habe 7 Klassen zum Abschluss geführt. – Brav mein Sohn, du darfst eintreten.“ So oder so ähnlich formulierte es mal ein Kollege.
Lehrerinnen und Lehrer sind laut Ergebnis einer Umfrage insgesamt beruflich zufrieden. Wenngleich: Stress wird zu Recht beklagt, aber auch fehlende „Wertschätzung“,– sei es durch die Gesellschaft, Eltern, Kolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt durch Schülerinnen und Schüler.
Aber ist das denn immer so? – NEIN, es ist nicht immer so.
So wurden Gabi Floßdorf und ich doch neulich zu einem Klassentreffen der 10a, Geschwister-Scholl-Gesamtschule Detmold, Abschlussjahr 2002, eingeladen. Eine kleine, erlesene und ausgelassene Gesellschaft, die sich dort am Abend traf.
Wenn man Schülerinnen und Schüler von der 5. bis zur 10. Klasse begleitet, manche gar bis zum Abitur, dann ist das schon ein Stück Lebensweg, den man gemeinsam bestreitet. Und in mancher Klasse, mancher Schülerin, manchem Schüler steckt viel persönliches „Herzblut“.
So waren wir natürlich ein wenig aufgeregt und zugleich wahnsinnig gespannt, was aus „unseren Kindern“ von damals, die ja nun mittlerweile alle erwachsen sind, geworden ist. Es gab ganz erfolgreiche und auch ganz erstaunliche Geschichten. Es gab Geschichten von Umwegen, von Irrwegen, von neuen Zielen und weiten Wegen.
Aber was für uns an diesem Abend wichtig war,- niemand war in eine totale Schieflage geraten oder todunglücklich. Das ist nicht immer selbstverständlich. Gerade in dieser Klasse gab es Kinder, die damals mit ihren Eltern aus dem brutalen Jugoslawienkrieg in „die heile Welt“ nach Detmold geflohen waren. Und wenn diese jungen Erwachsenen heute sagen: „Detmold, das bedeutet für mich Heimat“, ist das eine dieser ganz erstaunlichen und tollen Geschichten.
Dieser Abend war kein Treffen von Schülern und ihren ehemaligen Lehrern. Das war ein Treffen von lieben guten alten Bekannten, ein Abend voller Wärme und gegenseitiger Wertschätzung.
Wir danken euch für eure Lebensgeschichten und diesen tollen Abend.

