Schuldenprävention: ein Thema für den Wirtschaftsunterricht oder „Dann guckst du eben DVD…“

Ein Bericht von Reinhard Schiffer

Anfang November erschien der „Schuldneratlas 2012“. Demnach ist einer von zehn Erwachsenen in Deutschland überschuldet. Diese Person kann ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen. Und obwohl die wirtschaftliche Konjunktur stabil ist, die Arbeitslosigkeit relativ niedrig, ist der Anteil der überschuldeten Personen im Vergleich zum Vorjahr wieder ein bisschen gestiegen.

Aber wie kommt es dazu, dass sich Personen „überschulden“? Um diese Frage zumindest in Ansätzen zu beantworten, war in den zurückliegenden Wochen Frau Aster von der AWO-Lippe zu Gast an unserer Schule.

Alle 9. Klassen der Geschwister-Scholl-Gesamtschule haben unter Anleitung von Frau Aster zu diesem Thema engagiert gearbeitet und nach Ursachen der Verschuldung gesucht. Oftmals sind es persönliche Schicksale wie der Verlust der Arbeit, Krankheit oder Trennung der Eltern, die zu Überschuldung führen.

Bei einem Quiz wurden Grundkenntnisse beispielsweise zum Thema Kontoführung vermittelt und speziell der Umgang mit Geld bei Jugendlichen problematisiert (Stichwort „Taschengeldparagraph“). Auch das Thema Handy und Internet, gerade als Schuldenfalle speziell für Jugendliche, wurde angesprochen. Dabei zeigte sich, dass viele SchülerInnen eine ganze Reihe von Gefahren kannten, aber hier und da wurden auch Geschichten von „Abzockereien“ erzählt.

Am Ende der jeweils 4-stündigen Schuldenprävention wurde von den SchülerInnen in Gruppen ein Fallbeispiel bearbeitet: ein junges Paar, beide noch in Ausbildung, wollen in einer eigenen Wohnung zusammenziehen. Wofür müssen sie wie viel Geld bezahlen? Wo kann gespart werden?

„Das Mädchen kann doch mittags auch zuhause essen.“ – „Ne, das finde ich aber blöd, dann kann sie doch gleich zuhause wohnen bleiben.“ … „Das Auto ist schon wichtig, wie soll er denn sonst zur Arbeit kommen.“ – „Das können die doch gar nicht bezahlen, das kostet doch nicht nur Spritgeld.“ … „Man braucht doch keine Privathaftpflichtversicherung – oder doch???“ … „Aber dann bleibt ja gar kein Geld mehr, wenn man zum Beispiel mal ins Kino will…“ – „Dann guckst du eben DVD, ist ohnehin viel besser.“

Natürlich können wir häufig nur Denkanstöße bieten, indem wir bestimmte Probleme im Unterricht aufgreifen und bearbeiten. Aber eines wurde wohl allen SchülerInnen klar: Erwachsen zu werden und selbständig verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, das ist gar nicht so einfach.

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