Solly Ganor – ein Holocaustüberlebender mit Herzensangelegenheit

Die deutschlandweite Bildungsinitiative „Das andere Leben“ kehrt auch in Detmold ein

DETMOLD. Jakob Odinius – Träger des Bundesverdienstkreuzes überbringt die Botschaft des Holocaustüberlebenden Solly Ganor an die Schüler der Heinrich-Drake-Realschule und an die Geschwister-Scholl-Schule. Herr Bürgermeister Rainer Heller hat hierüber die Patenschaft übernommen. Die Schulen begrüßen diese Form von Bildung und Wertevermittlung am 30. November 2011 in ihrer Schule.

„Bildet Euch eine eigene Meinung, hinterfragt Informationen kritisch, toleriert aber auch fremde Meinungen. Nur so könnt Ihr Freiheit und Demokratie schützen!“

Dies ist die Botschaft der deutschlandweiten Bildungsinitiative DAS ANDERE LEBEN. Für Solly Ganor ist es eine Herzensangelegenheit, diese Kernaussage den Jugendlichen verständlich zu machen, zu verdeutlichen wie wichtig es ist zu hinterfragen und sich seine eigene Meinung zu bilden.

Solly, der als dreizehnjähriger erlebt, wie die deutschen Truppen im Sommer 1941 in seine Heimatstadt Kaunas/Litauen einfallen, verliert von einem auf den anderen Tag seine Kindheit. Er wird mit seiner Familie ins Ghetto getrieben und muss zusehen, wie Freunde und Verwandte bei zahlreichen so genannten Aktionen der neuen Machthaber zur Vernichtung selektiert oder auf der Stelle ermordet werden. 1944 wird das Ghetto aufgelöst und er wird zusammen mit seinem Vater in ein Außenlager des KZ Dachau deportiert. Inmitten einer bayerischen Bilderbuchlandschaft, im Lager X (Utting am Ammersee), erfährt Solly am eigenen Leibe, was Nationalsozialisten unter „Vernichtung durch Arbeit“ verstehen. Vor den anrückenden Alliierten wird er mit den wenigen noch lebenden Häftlingen auf einem der berüchtigten Todesmärsche in Richtung Alpen getrieben. Am 02. Mai 1945 wird er von amerikanischen Soldaten befreit.

Unterstützt wird Solly Ganor von seinem langjährigen Freund Jakob Odinius, der als Stabsoffizier der Bundeswehr im ehemaligen Bunker UTA in Landsberg verantwortlich für die Erinnerungsarbeit war. Nach vielen gemeinsamen Veranstaltungen der beiden kann Ganor heute als 85jähriger nicht mehr so viel durch Deutschland reisen, wie er gerne möchte. Über seine Herzensangelegenheit zu sprechen und das Bewusstsein der Jugendlichen zum Schutz der Freiheit und Demokratie zu schärfen hat sein Freund Jakob Odinius sich der Aufgabe verschrieben und reist im Namen von Solly Ganor durch Deutschlands Städte und Schulen.

Der fast zweistündige Vortrag von Jakob Odinius befasst sich mit der Biografie Solly Ganors, aber auch anderer Zeitzeugen. Er verdeutlicht, dass es sich eben nicht um Einzelschicksale handelte, sondern um ein mörderisches System. Ausgewählte Geschichten aus Solly Ganors Autobiografie dienen als Diskussionsgrundlage. Freundschaft, Bildung, Erziehung, Respekt und weitere Themen werden von Odinius den Jugendlichen verständlich vorgetragen. Die Schüler haben die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen. So entsteht ein Dialog, der nachhaltig zum Denken bewegt.

Weiterführende Informationen zu der deutschlandweiten Bildungsinitiative erhalten Sie auf www.die-bildungsinitiative.de.

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