(c) Lippische Landeszeitung, vom 03.10.2011
Schüler der Scholl-Gesamtschule erleben eine Woche mit zwei US-Boys
Von Thorsten Engelhardt
Englisch lernen ist das eine, Englisch sprechen das andere. Welche Vorteile Schüler ziehen können, wenn Muttersprachler den Fremdsprachenunterricht bereichern, hat jetzt die Gesamtschule erlebt.

Harlem Shuffle: Doran Hasan, Daniel Greger und Keenan Back haben tänzerisch so einiges drauf. Davon überzeugen sich hier ihre Mitschüler mit den Sprachtrainern Christopher Alexander und Jeff Cobb. FOTO: ENGELHARDT
Detmold.
Jeff Cobb und Christopher Alexander sind keine Lehrer und kommen auch gar nicht als solche daher. Jeff hatte mal Restaurants in Boston und New York, Christopher kam mit einem Stipendium nach Europa und schreibt an einem Roman. Mit diesem Hintergrund waren sie aber in der vergangenen Woche in der 8e der Geschwister-Scholl-Gesamtschule wohl die besten Lehrer, die die Schüler für ihr Projekt haben konnten.
„Native Speaker Week“ hieß das Vorhaben, das Klassen und Englischlehrerin Maria Hüllmann-Passeick mit den Jugendlichen veranstaltete. Die Woche stand unter einem Motto: „Alles in Englisch.“ Deutsch war für die 30 Schüler tabu. Stattdessen übten sie mit ihren Sprachtrainern vormittags und an drei Nachmittagen Vokabeln und Grammatik – und zwar weitgehend spielerisch.
Sie erarbeiteten eine Talentshow, Dialoge, eine Tanzvorführung. Sie zeigten ihren Trainern Detmold und spielten mit ihnen Kickball in der Sporthalle. Die Ergebnisse der Woche konnten sich dann am Ende die Eltern ansehen, die den Aufenthalt der beiden Sprachtrainer finanziert hatten.
Vom Ergebnis in punkto Lernerfolg war Maria Hüllmann-Passeick überzeugt. Sie erlebte ganz neue Seiten an ihren Schülern. Einige, die sonst Hemmungen vor dem Sprachgebrauch zeigten, hätten nun nach einer Warmlaufphase munter drauflos geredet, motiviert von gezielten Nachfragen der Trainer. „Und die Worte waren da“, berichtet sie.
Was bringt der Einsatz von Muttersprachlern im Unterricht? Diese Frage leitete auch Anja Plesser von der Universität Paderborn, die der Woche in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule beiwohnte. „Die Sprünge waren groß“, bestätigt sie den Eindruck der Klassenlehrerin. Die Beobachtungen und Auswertungen sollen dazu dienen, der Schulbürokratie eine Grundlage zu geben für die Entscheidung, ob „Native Speaker“ im Unterricht gefördert werden sollen. „Bisher ist ihr Einsatz abhängig vom Engagement einzelner Lehrer“, sagt sie.
Tobias Himmerich aus Marienfeld bei Gütersloh kennt auch andere Gegebenheiten: „In Österreich gibt es das an fast jeder Schule“, schildert der Ansprechpartner des „Native Speaker Network“.
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